Religion

Was ist das Anliegen unseres Religionsunterrichts? In der Lebensphase zwischen Kindheit und Erwachsensein, die wie keine andere Phase unseres Lebens von der Suche nach Orientierung geprägt ist, soll der Religionsunterricht Wegweisungen anbieten. Er soll jungen Menschen Möglichkeiten aufzeigen, ein sinnerfülltes, von Menschlichkeit geprägtes Leben zu gestalten. Unter Menschlichkeit verstehen wir dabei die Entwicklung von Verstand und Vernunft, die Entwicklung von Herz und Seele. Während der schulische Unterricht in vielen anderen Fächern in erster Linie den Verstand anspricht, bietet sich im Religionsunterricht die Chance, Herz und Seele anzurühren.

Daneben legt das Fach Religion grundlegende Wissenskompetenzen für andere Fächer an. Das Christentum als kulturelle Wurzel unserer Gesellschaft hat die abendländische Geschichte, Kunst, Musik, Literatur bis hin zur Rechtssprechung entscheidend geprägt. Kenntnisse über unsere eigene Religion sind für dieses grundlegende Verständnis unentbehrlich.

Wie versuchen wir, dieses Anliegen umzusetzen?

Aus der Vielfalt der Wege und Möglichkeiten, dieses Anliegen umzusetzen, möchten wir zwei Beispiele anführen.

Beispiel 1: Sprache der Religion als Zugang zum menschlichen Seelenleben

Heilige Schriften und religiöse Quellentexte sind in einer bestimmten Sprache verfasst. Diese Sprache verwendet mit Vorliebe Bilder, Symbole, Gleichnisse, Parabeln, Wundergeschichten – also Ausdrucksmittel, die sehr unmittelbar auf das menschliche Gemüts- und Seelenleben wirken. Jugendliche können Motive und Metaphern dieser Texte mit Regungen des Herzens und der Seele des Menschen in Verbindung bringen – und zwar sowohl mit eigenen Gemütsregungen als auch mit den Gefühlen anderer. Dies kann Feinfühligkeit und Sensibilität fördern und so gegenseitiges Einfühlen und Verstehen erleichtern.

Beispiel 2: Wer nicht sicher steht, kann keinen Ball fangen – eigene Standpunkte finden

Wir sind der Ansicht, dass die Erziehung zur Ökumene im Sinne von religiöser Offenheit nur möglich ist auf dem sicheren Boden einer eigenen Standortbestimmung. Wer wirklich offen ist, wer sich in andere einfühlt, ihren Gedanken folgt und zugeworfene Bälle fangen will, der braucht einen sicheren Standpunkt. Warum?

Wirkliches Zuhören verlangt es, dass man für einen kurzen Zeitraum seine eigene Position außer Acht lässt. Dies erfordert eine gewisse menschliche Größe, die nur der derjenige erlangt, der eine nicht starre, aber stabile Position hat. In diesem Sinne lässt sich die Beschäftigung mit anderen Religionen als geistiger Ausflug, aber nicht als Irr- oder Verwirrfahrt verstehen. Denn es geht nicht um unreflektierte Akzeptanz und Übernahme der Inhalte anderer Religionen, sondern um Kennenlernen, Vergleichen und in Bezug setzen. Insgesamt ist aus unserer Sicht die Beschäftigung mit der Religion –gleich welcher Art- eine Bereicherung und sie enthält stets die Aufforderung zur Toleranz und der Bereitschaft, in einen interreligiösen Dialog zu treten. Respektieren ohne akzeptieren zu müssen ist für uns ein wichtiges Leitmotiv ökumenischer Erziehung.

Abschließend sei gesagt, dass das hier aufgezeigte Bild unseres Religionsunterrichtes eine Absichts- und Zielvorstellung ist, die in der Praxis längst nicht immer Wirklichkeit wird. Religionsunterricht ist auch kein fertiges Produkt oder Rezept, sondern stellt einen lebendigen Prozess dar, der nie ganz fertig sein kann, dessen Verlauf stets revidiert und aktualisiert werden muss. Er kann nur gelingen, wenn wir als Religionslehrerkollegium in Gesprächen, Konferenzen und Fortbildungen seine Überzeugungsfähigkeit immer wieder neu diskutieren und entdecken.

Welche Rahmenbedingungen hat der Religionsunterricht am ÖG?

  • Die Besonderheit unserer Schule besteht darin, dass unser Religionsunterricht keine konfessionelle Gebundenheit kennt.
  • Wir sind Lehrkräfte unterschiedlicher christlicher Konfessionen, die über ihren persönlichen Glauben auf Anfrage Auskunft geben, sich aber einer überkonfessionellen Sichtweise verpflichtet fühlen.
  • Wir unterrichten nach einem Lehrplan, der neben verbindlichen Unterrichtsinhalten Freiräume vorsieht, um auf aktuelle Ereignisse, Strömungen und spezielle Bedürfnisse der Schüler zu reagieren.
  • Wir machen Religion erfahrbar durch das Angebot regelmäßiger Morgenandachten, in den Jahresrhythmus eingebundener Gottesdienste und die Möglichkeit der Teilnahme an Klosterfahrten und Kirchentagen.
  • Wir treffen uns daher regelmäßig mit Vertretern der evangelischen und katholischen Kirche und erfahren durch die Zusammenarbeit auch eine große Bereicherung.
  • In Klasse 5 bis 10 unterrichten wir verpflichtend zweistündig das Fach Religion.
  • In der 10. Klasse absolvieren alle Schülerinnen und Schüler im zweiten Halbjahr ein zweiwöchiges Sozialpraktikum. Die dort gewonnenen Erfahrungen werden danach in einem Bericht reflektiert.
  • Im 11. und 12. Jahrgang wird Religion als vierstündiger Hauptfachkurs und als zweistündiger Nebenfachkurs angeboten und kann als schriftliches oder mündliches Abiturfach gewählt werden.