37,7 Kilometer über der Erde, mitten in der Stratosphäre: mit einem Wetterballon schickte ein engagiertes ÖG-Team Sensoren, Kameras und eigene Experimente bis an den Rand des Weltalls.
Der Himmel ist heiter bis wolkig, und zum Glück sind weder Sturm noch Gewitter in Sicht – ganz anders als noch wenige Stunden zuvor vorhergesagt. Rund um den Spielplatz des ÖG hat sich ein großer Teil der Schulgemeinschaft versammelt.
Dann beginnt der Countdown: 10 – 9 – 8 – 7 – 6 …
Unter dem Jubel der Zuschauerinnen und Zuschauer steigt der etwa 1,20 Meter große weiße Wetterballon in die Höhe. Unter ihm hängt eine kleine Styroporsonde. Schon nach kurzer Zeit ist beides nur noch als winziger Punkt am Himmel zu erkennen. Doch was genau steckt hinter dieser ungewöhnlichen Mission?
Ein halbes Jahr Vorbereitung
Im Schuljahr 2024/25 nahm das ÖG an einem vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) ausgeschriebenen und unterstützten Stratosphärenflugprojekt für Kooperationsschulen teil. Mit dabei war eine engagierte und luft- und raumfahrtbegeisterte Gruppe von Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 9 bis 12 sowie der Astronomie- Differenzierungskurs der Klasse 6. Gemeinsam mit mehreren Lehrkräften bereiteten sie die Mission ÖG HORIZON über mehr als ein halbes Jahr vor. HORIZON steht dabei für:
High Altitude Operation and Research Initiative for Zeppeline-based Observation and Natural Studies.
Bevor der Ballon überhaupt abheben konnte, gab es viel zu tun. Technisches Equipment musste getestet, Experimente mussten entwickelt und geplant und die notwendigen Genehmigungen bei der Luftfahrtbehörde eingeholt werden.
Am Ende war die Sonde umfangreich ausgestattet: Sensoren erfassten unter anderem Höhe, Geschwindigkeit, GPS-Daten, Luftdruck, Temperatur sowie radioaktive und UV-Strahlung.
An einem Ausleger befanden sich verschiedene Experimente, darunter Untersuchungen zum Verhalten von Chlorophyll unter UV-Strahlung. Mit an Bord waren außerdem zwei gut gelaunte Lego-Figuren mit ÖG-Logo – ermöglicht durch die Unterstützung unseres Fördervereins. Und natürlich durften mehrere Kameras nicht fehlen.
37,7 Kilometer über der Erde
Nach dem erfolgreichen Start kehrten die meisten Schüler:innen wieder in ihre Klassenräume zurück. Für das HORIZON-Team begann nun jedoch der nächste spannende Teil der Mission. Über die übermittelten GPS-Daten verfolgte die Gruppe die Flugbahn der Sonde und machte sich schließlich auf den Weg, um sie nach ihrer Rückkehr zur Erde zu bergen.
Nach gut zwei Stunden endete die Reise bei Verden – gerade einmal rund 40 Kilometer Luftlinie vom ÖG entfernt. Doch bei diesem Flug ging es nicht um eine möglichst große Entfernung, sondern um die Höhe. Und die war beeindruckend: 37,7 Kilometer. Damit hatte der Ballon längst die Stratosphäre erreicht. Dort ist die Atmosphäre extrem dünn, die Temperaturen sind sehr niedrig und die Strahlungsbelastung ist deutlich höher als am Boden. Gleichzeitig bietet sich aus dieser Höhe ein außergewöhnlicher Blick auf unseren Planeten: Die Erdkrümmung wird sichtbar, der Himmel erscheint nahezu schwarz und darunter zeichnet sich das leuchtend blaue Band unserer Atmosphäre ab. Kameras und Sensoren der ÖG-Sonde hielten diese Eindrücke und zahlreiche Messwerte fest.
Landung im Maisacker
Mit zunehmender Höhe dehnte sich der mit Helium gefüllte Ballon durch den immer geringeren Luftdruck schließlich auf einen Durchmesser von etwa acht Metern aus – bis er in fast 38 Kilometern Höhe platzte. Eigentlich sollte anschließend ein Fallschirm den Sinkflug der Sonde abbremsen. Doch dieser öffnete sich nicht wie geplant. Die Sonde fiel deshalb weitgehend ungebremst zurück zur Erde und verlor dabei den Ausleger mit einem Teil der Experimente. Zum Glück landete sie auf freiem Feld in einem Maisacker, ohne Schaden anzurichten und selbst größeren Schaden zu nehmen. Der Verlust der Experimente war natürlich enttäuschend. Doch die beeindruckenden Kameraaufnahmen und die große Menge an gewonnenen Messdaten entschädigten für vieles. Die Daten können nun in weiteren Projekten und Projektarbeiten ausgewertet werden. Und eines ist nach dieser Mission sicher:
Es wird hoffentlich nicht die letzte Reise des ÖG an den Rand des Weltalls gewesen sein.