ÖG-Pikachu leti u Zagreb

48 Stunden Gastfreundschaft und Robotik in der kroatischen Hauptstadt

Relativ früh am Morgen mit verschlafenen Augen trafen wir uns am Flughafen Bremen zur Sicherheitskontrolle. Der Flug fand statt (wir hatten bei der RoboCup-EM schon andere Erfahrungen machen dürfen…), verlief ohne Probleme, und unsere Zwischenlandung in Stuttgart war pünktlich. Beim Umsteigen nach Zagreb erfolgte die Passkontrolle besonders ordentlich: Für die nicht-eigenen Kinder waren spezielle Reiseformulare ausgefüllt worden, die eindringlich geprüft und für echt befunden wurden: Wir durften zum RoboCup nach Kroatien ausreisen!

Während des Fluges haben wir geschlafen, Musik gehört, in den Himmel geguckt oder gelesen, die Zeit ging schnell rum. Bei der Landung auf Zagrebs großem Flughafen Franjo Tudjman konnten wir schnell aus dem Sicherheitsbereich heraus und zu unserem Treffpunkt gelangen.

Ivica Kolaric, kroatischer RoboCupJunior-Organisator, hatte seinen Freund Lovrek gebeten, sich um uns zu kümmern. Dieser hatte uns bereits ein Bild von seinem Auto geschickt, erwartete uns draußen am Taxistand und erkannte uns sofort („Die Leute mit dem neon-Shirt…“). Es ging dann direkt zum Hotel in Velica Goritca, Nahe des Flughafens. Wir konnten unsere die Zimmer angucken – und waren beeindruckt! Die zweite Hoteletage war kurze Zeit (<24h) vor unserer Ankunft fertig geworden, brandneu, und wir sollten uns wohlfühlen, dafür wurde gesorgt! Lovrek machte uns also Vorschläge für Sightseeing, Spaziergänge und Spezialitäten, und wir nahmen den Regionalzug ins Zentrum, der direkt am Hotel abfuhr.

Lovrek versorgte uns mit Tickets, und los ging das Abenteuer!

Aus dem Bahnhof raus, sahen wir schon von Weitem die berühmte Kathedrale (Stephansdom), die die Bischofskirche des römisch-katholischen Erzbistums Zagreb ist. Wir besichtigten die neugotische Kirche mit dem über 100 Meter hohen Turm innen und außen, und folgten dann Lovreks kulinarischem Rat zum Cafe AMELIE: Die Außentemperaturen und der leichte Schneefall konnten uns nicht schrecken: Das Eis schmeckte wunderbar! Danach liefen wir die Einkaufsstraße in Richtung „Museum der optischen Täuschungen (Muzej Iluzija)“ entlang. Hier hat es viel Spaß gemacht, die einzelnen Ausstellungsstücke zu bespielen bzw. die „richtigen“ Fotos dazu zu machen.

Ein weiter Hinweg bedeutet, einen ebenso langen Rückweg antreten zu müssen, aber wir waren gut zu Fuß und hatten schon die Rückfahrtszeiten von Lovrek mit auf den Weg bekommen. Leider hatten wir nicht mit dem „seltsamen“ kroatischen System der Gleisbezeichnungen gerechnet und verpassten den ersten Zug. Jetzt aber kennen wir uns mit „peron“ und „kolosjek“ gut aus: Jedes Gleis gibt’s nämlich mehrfach, und zwar an jeder Plattform einmal – oder irgendwie so.

Im Hotel gab es für uns Pizza und Hamburger in einer ungeahnten Größe, so dass alle reichlich satt wurden. Die Taverne war ein verklinkerter Gewölbekeller aus dem 17. Jahrhundert, und wir genossen die Gemütlichkeit auch noch einig Zeit nach dem Essen beim Rommeespiel.

Aber dann holte uns doch der Grund unserer Reise ein, der Ehrgeiz kam zurück, und auf den Zimmern wurden Ideen und Programmschnipsel umgesetzt. Da jeder Wettkampf eine neue „Welt“ mit sich bringt, waren nur theoretische Überlegungen und die Programmierung einiger Sequenzen möglich. Das echte Programm sollte erst für den Wettkampf geschrieben werden.

Am nächsten Morgen wurden wir um 7 Uhr von Lovrek abgeholt und zur Zagreber Schule gebracht, in deren Räumlichkeiten der Wettkampf stattfand. Dort erwartete uns ein kroatisches Frühstück mit herzhaften Croissants, süßem Tee und Mandarinen. Außergewöhnlich gastfreundlich war, dass die Platten mit Gebäck, Croissants und Törtchen nie leer wurden und auch Getränkebecher schon wieder aufgefüllt waren bevor man sich nur umgedreht hatte. Dies galt den ganzen Samstag und natürlich auch am Sonntag bis zur Siegerehrung.

Die Eröffnungszeremonie am ersten Tag war beeindruckend! So etwas hatten wir trotz anderer europäischer und auch außereuropäischer RoboCups nie zuvor gesehen:

Alles begann im Stehen mit der kroatischen Nationalhymne.

Danach trug eine Gruppe jüngerer Kinder den „olympischen Eid“ vor, der natürlich für den RoboCup faire Spiele, Teamgeist und gegenseitiges Helfen einforderte. Danach wurde gesungen, und anschließend kam eine Trachtengruppe, die zu landestypischer Volksmusik mit Akkordeon, Ukulelen und Kontrabass tanzte. Hier sollte unbedingt erwähnt werden, dass sehr viele diese Akteure auch spätere RoboCupper waren!

Nachdem dann alle Schiedsrichter einzeln nach vorne gerufen und vorgestellt wurden begann der Wettkampf. Mit den typischen RoboCup-Disziplinen Soccer, Rescue und OnStage hatten wir nichts zu tun: Das Team des Ökumenischen Gymnasiums trat nämlich in der Simulationsliga (für autonomes Fahren) an.

Die „Welt“ durfte der OEG-Teamkapitän Jonas aus der Urne mit 10 Kugeln ziehen, weil wir uns im Gegensatz zu den Kroaten nicht für die WM in Sydney qualifizieren konnten, sondern nur Freundschaftsspiele durchführten und damit „unparteiisch“ waren. Anschließend ging es los. Drei Stunden Bearbeitungszeit. Drei Teams pro Gruppe spielten im k.o.-Modus den Gruppensieger aus. Dieser war automatisch für das Finale am Sonntag qualifiziert. Die sechs Gruppenzweiten spielten die zwei besten aus, die ebenfalls ins Finale kamen.

Für ÖG-Pikachu lief es nach erfolgreicher Programmierung und überaus vielversprechenden Tests auf dem altbewährten Wettkampfcomputer leider gar nicht gut. Beide Partien gingen zu Null verloren und es fiel auf dass das Farbsystem vollkommen durcheinander geraten war. Doch weder Oberschiedsrichter noch schnell zu Rate gezogene andere Lehrer konnten klären woran dies lag, und so begann auch die Hoffnungsrunde ohne das ÖG-Team. Doch ÖG-Pikachu ließ sich nicht demotivieren, immer weitere Tests zeigten gut Ergebnisse, aber sobald das Programm den angestammten Laptop verließ, war es aus. Am USB Stick lag es nicht, am Speichermodus auch nicht. Keiner wusste mehr einen Rat. Um auf andere Gedanken zu kommen nahmen wir dann gern die Einladung von Wladimir und Vesna, Coaches eines anderen Simulationsteams, an, uns ihren Roboter-Club in einem ehemaligen Atombunker am Stadtrand von Zagreb zu zeigen.

Bevor wir die Halle verließen hatte Ivica allerdings noch eine Überraschung für uns: Er hatte die Musiker des Vortages erneut eingeladen, Getränke und Salzgebäck besorgt und eine kurze Junior-Party organisiert. Zum Mittanzen konnte er uns zwar nicht motivieren, aber rhythmisch geklatscht haben wir.

Die Transfers an diesem Tag übernahm natürlich unser „persönlicher Chauffeur“ Lovrek, der uns vom Bunker direkt wieder in sein Hotel London brachte und die Treppe zur Taverne hinunter schickte. Dort erwartete uns schon ein Festessen der kroatischen Art: Herzhafte Mini-Kuchen, frisches Lammfleisch eines befreundeten Lehrers aus Bosnien, eine Aufschnittplatte und selbst gebackenes Brot. Geladen waren nicht nur wir, sondern knapp 20 Coaches der verschiedenen Nationalitäten – die jungen RoboCupper saßen in einem anderen Teil des Restaurants und aßen nach Speisekarte. –

An diesem Abend wurden die Pommes Frites aber allen serviert: Den Schülern als Hauptgangsbeilage, den Lehrern und Begleitpersonen auf der gefühlt zehnten Speiseplatte, die aufgetischt wurde. Wir ließen es uns also gut gehen und waren froh, die Computerprobleme des Tages etwas in Vergessenheit geraten lassen zu können.

Am Ende freute uns auch die Ankündigung Lovreks, am Sonntag müssten wir erst um 8 Uhr abfahrbereit sein: Eine Stunde Schlaf mehr! Den konnten wir nach einem solch ereignisreichen Tag auch gut gebrauchen!

Der Sonntag startete mit Regen – laut Lovrek ein Zeichen dafür, dass Zagreb angesichts unserer Abreise zu weinen begann. Wir konnten wieder unser kroatisches Frühstück im Mentor’s Room einnehmen und machten uns dann dank des ausgeliehenen Laptops von Vladimir daran, ein Programm für die Final“Welt“ zu schreiben. Da unser Computer offensichtlich irgendeine negative Wirkung auf die Programme hatte, sollten wir unsere Programmierkünste heute noch in einigen Freundschaftsspielen beweisen.

Es dauerte mehr als zwei Stunden, aber dann war der Grund für das Versagen unseres Programms vom Vortag gefunden. Die nicht-Computerinteressierten können nun einfach im übernächsten Abschnitt weiterlesen, für die anderen erklären wir kurz, weshalb wir zweimal zu Null gespielt und auch im Nachhinein wohl bei der WM 2017 einige Spiele verloren haben, obwohl unsere Programme damals ausgeklügelt waren.

Es lag am Laptop. Bei der deutschen Meisterschaft hatten wir aufgrund eines Ersatzgerätes ebenso keine Farbprobleme wie bei der EM im Mai dieses Jahres. Dort wurden die Computer vom Veranstalter gestellt. Unser „altbewährter Computer“ aber hatte für das riesige grafikkartenstrapazierende CoSpace-Programm nicht genügend Kapazität, weshalb im Menü „Anzeigequalität“ die Einstellung „low“ gewählt wurde, damit das Programm selbst schneller läuft bzw. sich nicht aufhängt, die „Welt“ aber etwas pixeliger zu sehen ist. Dass dadurch alle RGB-Werte stark verändert wurden (für schwarz statt „39/39/39“ dann „0/0/0“, entsprechende Abweichungen für die anderen Farben), damit hatte niemand gerechnet: Heureka! Wir sind somit heilfroh, dass wir dieses Problem nun vor unseren nationalen Wettkämpfen lösen konnten, denn unter Druck hätten wir diesen Fehler durch Zufall sicher nicht aufgespürt.

Top-motiviert und von der Stärke unseres Programms überzeugt traten wir nach dem offiziellen Finale also nochmals gegen den Turnierdritten (von 18 Teams) und den Fünften der Gesamtwertung an. Beide Spiele konnte ÖG-Pikachu für sich entscheiden! Im ersten Fall siegten wir knapp 730 zu 690, das zweite Spiel war schon nach der Hälfte der Zeit entschieden und brachte am Ende 955 zu 590 Punkte.

Glücklich und zufrieden über Ergebnisse und geglückte Fehlerbehebung tauschten wir letzte Freundschaftsgeschenke, machten Fotos und genossen unseren Auftritt bei der Siegerehrung mit der Urkunde für das beste Interview!

Bei der Abschlusszeremonie zeigten die verschiedenen Fahnen die Teilnehmernationen an: Außer uns gab es noch Slowenen, Slowaken, Bosnier und Russen.

Lovrek wäre nicht Lovrek, wenn er uns auf dem Weg zum Flughafen nicht für einen Moment doch noch zu sich in die Taverne eingeladen hätte: Stärkung muss sein, und keiner verlässt Kroatien hungrig! – Also durften wir noch einmal die kroatische Hauptspezialität „Zagreb-Schnitzel“ (Zagrebački odrezak), bei uns als Cordon Bleu bekannt, genießen und kamen dann überpünktlich und satt am Flughafen an.

Die Flugpause in Stuttgart nutzten wir zur Erstellung dieses Berichts, so dass wir uns in Bremen zu später Stunde schnell verabschiedeten und alle schnell ihre wohlverdiente Ruhe haben konnten: Montag um 7.45 Uhr begann wieder die Schule, und 48 Stunden kroatische Gastfreundschaft mussten erzählt werden!

Übrigens: Man sieht sich ja immer zweimal, und so wurden bereits Pläne für kommende Robotikprojekte geschmiedet, die man gemeinsam mit den Italienern (die das ÖG Anfang 2017 mit den ÖG-Bienen und den ÖG-Enten besucht hatte) durchführen könnte! Fortsetzung folgt …

OEG-Pikachu mit Jonas, Jannis, Laura und Moritz