Zwischen Botschaftsempfang, digitalem Gipfeltreffen und Weltkulturerbe

Die Studienfahrt ins Baltikum vereinte die Bereiche Kultur, Natur, Geschichte und Politik

Sechs Tage – drei Länder: Die 18 Schülerinnen und Schüler hatten sich mit Frau Cullmann und Herrn Thebud einiges vorgenommen, ein straffes Programm, aber auch viele Freizeitbereiche zum eigenständigen Erkunden der Städte und Landstriche.

Begonnen hatte alles in Vilnius, an dessen Flughafen wir von Romualdas und seinem bequemen 26-Sitze-Reisebus zu einer kurzen Stadtrundfahrt durch die Altstadt abgeholt wurden, bevor wir die beeindruckende Kulisse am Berg der Kreuze im litauischen Siauliai (sprich „Schaulei“) vor uns auftauchen sahen. Hier hatten schon zu Sowjetzeiten gläubige Christen Kreuze aufgestellt, später hatten Franziskaner ein Kloster gegründet, und auch der Papst war bereits zu Besuch gekommen.

Am späten Nachmittag erreichten wir Riga, wo wir in einem rustikalen Weltkulturerbegebäude (und früheren baltendeutschen Pferdestall) unterkamen. Neben Stadterkundung und obligatorischem Stadtmusikantenbesuch in Bremens lettischer Partnerstadt wurden wir in der Deutschen Botschaft von Kulturattaché Alexander Tschuikow empfangen und in lettisch-deutsche Geschichte sowie die Aufgaben der Diplomaten eingeweiht. Auch eine kurze Vorstellung des Berufsbildes kam nicht zu kurz und fand interessierte Zuhörer.

Der nächste Tag war der Natur des Gauja-Nationalparks gewidmet, wo wir zwischen Achims Partnerstadt Cesis und Stuhrs Partnerstadt Sigulda bei strahlendem Sonnenschein paddelten und picknickten.

Noch am selben Abend kamen wir nach einer aufregenden Kontrolle an der lettisch-estnischen Grenze in der Hauptstadt Tallinn an, wo wir von einem weiteren Weltkulturerbe-Gebäude in der Ritterstraße aus die Altstadt erkundeten und zu einem mittelalterlichen Mahl im Gasthaus „Olde Hansa“ aufbrachen. Wie im Mittelalter gab es natürlich kein Besteck – und einen „Master of the feast“!

Bei der Stadtführung durch Ober- und Unterstadt vorbei an der orthodoxen Alexander-Newski-Kathedrale betraten wir auch den Dom mit seinen zahlreichen Holzwappen der baltendeutschen Familien, die in Tallinn bzw. dem damaligen Livland wohnten. Politisch wurde es dann bei unserem Besuch in den Räumen der Konrad-Adenauer-Stiftung, als uns Herr Florian Marcus, deutscher Mitarbeiter in der estnischen Staatskanzlei, Ziele und Vorhaben der estnischen EU-Ratspräsidentschaft erläuterte und uns gleichzeitig vom informellen Digitalisierungsgipfel der 27 EU-Regierungschefs berichtete, das unseren Schloss-Katharinenthal-Besuch am kommenden Tag gehörig durcheinander bringen sollte! Digital war es aber auch bei uns schon gewesen: Die Skype-Gründer hatten uns ihr neuestes Start-Up vorgestellt, bei dem ein Roboter Pizza- und Hermeslieferungen übernimmt: Starship.

Kulturell schloss dieser Tag durch den Besuch der Estnischen Staatsoper, für den sich alle standesgemäß in den feinsten Zwirn geworfen hatten, um das Minkus-Ballett „La Bayadère“ zu sehen.

Den Abschluss unserer Reise sollte auf baltendeutschen Spuren der Gutshof Sagadi im Lahemaa – Nationalpark bilden. Das wunderschön in altrosa-weiß restaurierte Anwesen der Familie von Fock hat neben dem Herrenhaus mit Hotel auch einen Hostelbetrieb zu bieten, der uns das Gebäude des ehemaligen Gutsverwalters zum alleinigen Gebrauch mit Sauna bot. In großen Zimmern mit rustikalen Möbeln genossen alle auch draußen Umgebung, Rosengarten und Landschaft, bevor man sich zum Abendessen umziehen musste. Bei landestypischem Buffet erwartete uns eine estnische Folkloregruppe mit Dudelsack und Zithern, die die Polka nicht nur vortanzte … Nach einem schwungvollen Abend und später Nachtruhe waren aber alle am letzten Tag morgens fit für den Ostseeausflug, den wir mit Hotel-Mountainbikes unternahmen. Trotz EU–Staatskarossen–Schlangen und gesperrten Tallinner Straßen erreichten wir pünktlich den Flughafen und landeten mit 20 Koffern aber nur 19 Personalausweisen wieder wohlbehalten in Bremen. Dass wir nur sechs Tage unterwegs waren, konnte man angesichts unserer Foto- und Filmdateien im Terrabyte-Bereich kaum glauben!

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